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______Samuel Schmid______
 
       
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Interviews 2010


** Interview (ungekürzt) mit békehírnök (Friedensbote), Wochenzeitung der Baptisten in Ungarn, von anfang April:

Frage 1: Ich spreche mit Grossrat (EDU) und Pfarrer Samuel Schmid, der Abgeordneter vom Aargauer Parlament ist. Erstens grüsse ich Sie, Herr Schmid, im Namen unserer Leser der Zeitung der Baptisten in Ungarn (Friedensbote Bekehirnök). Die Schweiz wird aus dem Osten gesehen als das Land mit einer gut funktionierenden Demokratie, als Land der Grossen Berge, von Reichtum, Sicherheit und Stabilität. Teilen Sie diese Sicht?

Die Schweiz hat eine lange demokratische Tradition und verfügt auch heute noch über verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So wird das Schweizer Volk beispielsweise viermal pro Jahr an die Urne gerufen um über Sachthemen abzustimmen. Immer wieder kommt es vor, dass das Volk dann eine andere Entscheidung trifft, als dies zuvor Regierung und Parlament getan haben. Ein weiteres Beispiel: Wenn 100'000 Stimmbürger in einer Initiative eine Verfassungsänderung beantragen, wird diese ebenfalls dem Volk vorgelegt. In Kantonen sind solche Volksbegehren sogar für Gesetze möglich. Diese weitreichende Mitbestimmung des Volkes im politischen Alltag auf Stufe Land, aber auch auf Stufe Kanton und Gemeinde, wirkt sich auch positiv auf die Sicherheit und Stabilität aus. Dazu trägt auch unser besonderes Regierungssystem bei. Die Regierung besteht aus sieben gleichberechtigten Ministern. Alle grösseren Parteien sind gemeinsam in der Regierungsverantwortung eingebunden.

Frage 2: Darf ich Sie fragen, wie Sie sich fühlen?

Nebst meinen umfangreichen Aufgaben als Pfarrer und internationaler Missionsleiter, als Armeeseelsorger und Mitglied des kantonalen Care Teams (Notfallpsychologie und –Seelsorge) nimmt mich auch meine politische Tätigkeit stark in Anspruch. Aber ich freue mich, auf so vielfältige Weise im Dienst Gottes stehen zu dürfen. Was gibt es Schöneres, als das Evangelium in Wort und Tat weitergeben zu können? In grosser Dankbarkeit für Gottes Gnade fühle ich mich gut.

Frage 3: Warum wird aus einem Pfarrer ein Politiker? Was motiviert Sie dazu? Das ist doch eine andere Welt. Oder?

Wie für den Dienst als Pfarrer und Verkündiger, so braucht es auch für den Dienst als Politiker eine klare Berufung. Unser Herr Jesus Christus hat mir den Auftrag gezeigt und die Möglichkeiten gegeben, in Politik und Gesellschaft für die Menschen auf der Grundlage von Gottes Wort, der Liebe Jesu Christi und den biblischen Werte einzustehen. Als Christen sollen wir Salz und Licht in dieser Welt sein. Für die Politik bedeutet dies: Politik ist kein Selbstzweck, sondern ein Dienst am Nächsten und zur Ehre Gottes.

Frage 4: Was sind die Werte Ihrer Politik? Ist eine Demokratie im 21. Jahrhundert offen für diese Werte?

Ich stehe ein für eine Politik, die auf den wahren Werten der Bibel gründet – christliche Nächstenliebe, Klarheit, Aufrichtigkeit, Solidarität – vertrete diese mit klaren Worten und setze mich ein, dass konkrete Taten folgen. Dies bedeutet: eine Politik zum Wohl der Einzelnen, zum Schutz der Schwachen und für eine gute Zukunft von Allen. Dazu gehört beispielsweise: Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen, nachhaltige Arbeitsmarktpolitik, Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Förderung der Familie, Schutz des Lebens in allen Lebensabschnitten, Förderung der Bildung, Sicherung eines gesunden Sozialwesens, verantwortungsvolle Energie- und Umweltpolitik. – Dem HERRN sei Dank, dass immer wieder Menschen auf diese Werte hören und fragend werden nach Gottes Wort. Aber ob die Menschen offen sind oder nicht ändert nichts an unserem Auftrag, für die wahren Werte der Bibel einzustehen.

Frage 5: Ist es wahr, dass die Schweiz eine gut funktionierende Demokratie ist? Wenn ja, wie hat sie es erreicht? Was sind die Schwierigkeiten einer Demokratie? Kann man nicht sagen, dass Demokratie nicht mehr aktuell ist, und wir etwas Anderes, Besseres brauchen?

Die Möglichkeit der direkten politischen Mitwirkung hat in der Schweiz eine lange Tradition und gilt als hohes Gut. Dies ist übrigens ein Hauptgrund, weshalb sich die Schweiz bisher gegen einen EU-Beitritt ausgesprochen hat. Eine Demokratie ist aber nur so gut, wie die Menschen bereit sind, sich daran zu beteiligen. Und hier liegt die grösste Gefahr auch für die Schweiz. Wenn in der Schweiz an Abstimmungen nur 40% der Stimmbürger teilnehmen, dann wird die Demokratie gleichsam von innen untergraben und in Frage gestellt. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, dass von den biblischen Werten ausgehend nicht immer die demokratische Mehrheit Recht hat. Ich bin aber überzeugt, dass die Demokratie für uns heute die beste aller möglichen Staatsformen ist und uns Christen viele Chancen gibt.

Frage 6: Bei uns sagen die Christen meistens, dass die Christen, die Kirchen, überhaupt die Pastoren nicht politisieren sollen. Sind sie damit einverstanden?

In der Politik geht es darum, unser gesellschaftliches Zusammenleben zu gestalten und die staatlichen Rahmenbedingungen zu beeinflussen. Was sagt die Bibel darüber? Ein Blick in Gottes Wort zeigt, dass wir geradezu aufgefordert sind, unsere Verantwortung als Christen in der Welt auch diesbezüglich wahrzunehmen. Viele Männer und Frauen der Bibel waren Diener Gottes, Verkündiger und Politiker. Denken wir an Josef in Ägypten und seine Wirtschaftspolitik, an David und seine Aussenpolitik, an die Könige Salomo und Usia, Hiskia und Josia, aber auch an Daniel in Babylonien und an Nehemia. Auch viele Propheten verkündeten das Wort Gottes und zeigten die gesellschaftliche Bedeutung – sie waren damit höchst politisch. Auch das Neue Testament zeigt klar: Der Glaube an den Herrn Jesus Christus beeinflusst unser Leben und Handeln – in der Familie, in der Gesellschaft und im Staat.

Frage 7: Welcher Politiker verdient unser Vertrauen?

Auch hierauf gibt uns die Bibel eine klare Antwort: «Suchet der Stadt Bestes... und betet für sie zum HERRN» (Jer. 29,7). Das heisst: Nicht eigene Interessen suchen, sondern das Beste für die Menschen. Nicht sich selber, seine Leistungen und seine Partei als Mass aller Dinge nehmen, sondern sich Gott gegenüber verpflichtet wissen. Kurz gesagt: Ein selbstloser und gottesfürchtiger Politiker ist vertrauenswürdig.

Frage 8: Von was und in was ist ein Christ als Politiker anders? Besser?

Wie es im Alltag mein Bestreben ist, aus der tiefen Gemeinschaft mit meinem Herrn Jesus Christus als Christ zu reden und zu handeln, so auch in der Politik. Ich bin als christlicher Politiker nicht besser als andere, aber ich habe einen besseren HERRN: Jesus Christus. Auch in meiner politischen Arbeit stehe ich in der Verantwortung vor Gott und weiss mich von Ihm abhängig. Dies prägt meine Handlungsweise. Ein weitere Punkt: Jede politische Aktivität beginnt im Gebet und soll vom Gebet begleitet sein.

Frage 9: Möchten sie unser Leser noch zum Abschluss etwas sagen?

Ich freue mich auf den Tag, wenn es keine Politik mehr gibt und keine mehr braucht. Dann nämlich, wenn wir als Kinder Gottes in der himmlischen Herrlichkeit beim König aller Könige sein dürfen. Bis es aber soweit ist, sind wir dafür verantwortlich, dass wir die Gnadenzeit auskaufen und die von Gott geschenkten Möglichkeiten als Salz und Licht in unserem Land wahrnehmen – auch in der Politik. Der HERR bestätigt dies mit Seinem Segen.

Danke für das Gespräch!